Anschreiben vs Motivationsschreiben: der Unterschied – und welches du schicken solltest
7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 17. September 2026
Von Bogdan
Kurz gesagt
Es sind zwei verschiedene Dokumente, und sie zu verwechseln gehört zu den häufigsten Fehlern, die nicht-muttersprachliche Bewerber im deutschsprachigen Raum machen. Das Anschreiben ist dein Standard-Anschreiben: In fast jeder Bewerbung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wird es erwartet, es ist förmlich (ein echter Geschäftsbrief) und es belegt, dass du genau diese Stelle ausfüllen kannst – die zwei, drei Punkte aus deinem Lebenslauf, die zur Anzeige passen. Das Motivationsschreiben ist ein eigenständiges, meist optionales Dokument – oft "dritte Seite" genannt –, das du in der Regel nur schreibst, wenn es ausdrücklich verlangt wird: bei Stipendien, Studienplatzbewerbungen, Trainee-Programmen und manchen Führungspositionen. Es ist weniger förmlich, näher an einem persönlichen Essay, und es begründet, warum du diesen Weg gehen willst. Kurz gesagt, in den Worten der Bundesagentur für Arbeit: Das Anschreiben zeigt, dass du den Job kannst ("das Handwerk"); das Motivationsschreiben zeigt, dass du ihn willst ("das Herz"). Steht in einer Ausschreibung nur "Bewerbungsschreiben", ist damit das Anschreiben gemeint. Wirst du um beides gebeten, wiederhole dich nicht – die Passung gehört ins Anschreiben, die Motivation ins Motivationsschreiben.
Zwei Dokumente, ein englisches Wort
Das Englische hat einen einzigen Begriff – "cover letter" – für das, was der deutschsprachige Arbeitsmarkt als zwei verschiedene Dokumente behandelt. Genau deshalb kann dir englischsprachiger Rat nicht sagen, welches eine deutsche Anzeige eigentlich will: Die Unterscheidung existiert in der Sprache, in der er verfasst ist, gar nicht. In einer deutschen Bewerbung haben Anschreiben und Motivationsschreiben unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Formate und unterschiedliche Momente, in denen du sie einsetzt.
Am klarsten auseinanderhalten lassen sie sich über den Gegensatz, den die Bundesagentur für Arbeit selbst benutzt: Das Anschreiben zeigt, dass du den Job kannst ("kann"), das Motivationsschreiben zeigt, dass du ihn willst ("will"). Dieser Ratgeber setzt voraus, dass du dich bereits entschieden hast, dich im deutschsprachigen Raum und auf Deutsch zu bewerben; ob du überhaupt ein Anschreiben brauchst, ist eine eigene Frage, die von Land zu Land anders ausfällt.
Das Anschreiben: dein Standard-Anschreiben (es zeigt, dass du den Job kannst)
Das Anschreiben ist der Standardfall. Es ist Teil einer vollständigen Bewerbung – Anschreiben, Lebenslauf und oft Zeugnisse – und genau der Teil, der deinen Lebenslauf mit der konkreten Stelle verbindet und die eine Frage beantwortet, die im Recruiting zählt: "Warum bist du die richtige Person für diesen Job?" Es erzählt nicht deinen Lebenslauf nach, sondern greift die zwei, drei relevantesten Stationen deiner Laufbahn heraus und knüpft jede direkt an das, was die Anzeige fordert.
- Es ist ein förmlicher Geschäftsbrief: dein Adressblock und der des Arbeitgebers, ein Betreff, eine korrekte Anrede ("Sehr geehrte Frau … / Sehr geehrter Herr …") und ein förmlicher Gruß zum Schluss.
- Es umfasst etwa eine Seite, steht im Sie und ist auf die konkrete Ausschreibung zugeschnitten – ein generisches Anschreiben wirkt, als hättest du dir überhaupt keine Mühe gegeben.
- Es liefert Passung und Belege: konkrete Erfolge, echte Unternehmen und Technologien aus deinem Lebenslauf, die auf die Anforderungen einzahlen.
- Das ist das Dokument, das du praktisch für jede normale Stellenbewerbung in Deutschland, Österreich und der Schweiz schreibst.
Das Motivationsschreiben: die optionale "dritte Seite" (es zeigt, dass du ihn willst)
Das Motivationsschreiben ist ein eigenständiges, meist optionales Dokument, das du normalerweise nur schreibst, wenn es ausdrücklich verlangt wird. Oft heißt es "dritte Seite", weil es an dritter Stelle steht – nach dem Anschreiben und dem Lebenslauf. Wo es im Anschreiben um harte Fakten und Passung geht, geht es im Motivationsschreiben um deine Persönlichkeit, deine Werte und die tieferen Gründe – es beantwortet: "Warum will ich genau diesen Weg, bei genau diesem Arbeitgeber, und warum jetzt?" Es ist weniger förmlich als das Anschreiben und liest sich eher wie ein persönlicher Essay.
- Wo es tatsächlich auftaucht: bei Stipendien, Studienplatzbewerbungen, Trainee- und Graduate-Programmen sowie manchen Führungs- oder stark werteorientierten Positionen.
- Die nächste englische Entsprechung ist ein "statement of purpose" oder "letter of motivation" – die akademische Variante, die die meisten kennen, kein alltägliches Anschreiben.
- Für einen normalen Job schreibst du in der Regel gar keins, außer die Ausschreibung nennt es ausdrücklich.
- Es umfasst ebenfalls etwa eine Seite, aber der Ton ist wärmer und persönlicher – Motive und Richtung statt einer Liste abgehakter Erfolge.
Wenn beides verlangt wird – die Regel gegen Wiederholung
Manche Bewerbungen – oft im akademischen Bereich, bei Trainee- oder Führungslaufbahnen – verlangen beides. Der Fehler dabei ist, im Grunde zweimal denselben Brief zu schreiben. Teile die Arbeit stattdessen auf: Das Anschreiben trägt Passung und Belege (was du kannst, verknüpft mit der Anzeige), das Motivationsschreiben trägt Motivation und Richtung (warum dieser Weg, dieser Arbeitgeber, und warum jetzt). Deine konkreten Erfolge gehören ins Anschreiben, das "Warum" ins Motivationsschreiben. Jedes bleibt bei etwa einer Seite.
Die Anzeige lesen: welches Wort was bedeutet
Das Wort, das die Ausschreibung verwendet, sagt dir, welches Dokument du schreiben sollst:
- "Anschreiben" → das Standard-Anschreiben. Das schreibst du.
- "Bewerbungsschreiben" → ein Synonym für das Anschreiben – dasselbe Dokument, nicht das Motivationsschreiben.
- "Motivationsschreiben" → das optionale Motivationsdokument der dritten Seite. Das schreibst du zusätzlich oder wenn es ausdrücklich verlangt wird.
- "Bewerbung" / "vollständige Bewerbungsunterlagen" → das ganze Paket: mindestens ein Anschreiben und ein Lebenslauf (plus Zeugnisse). Kein separates Motivationsschreiben, außer es wird namentlich genannt.
- Nichts angegeben, normaler Job → schreib das Anschreiben.
Österreich und die Schweiz verwenden dieselben zwei Begriffe auf dieselbe Weise – das ist eine Konvention der deutschen Sprache, nichts speziell Deutsches.
Welches solltest du schreiben?
- 1
Finde das genaue Wort in der Anzeige
Anschreiben, Bewerbungsschreiben, Motivationsschreiben und Bewerbung bedeuten jeweils etwas Bestimmtes – lies, welches die Ausschreibung verwendet, bevor du überhaupt etwas schreibst.
- 2
Nimm im Zweifel das Anschreiben
Bei einem normalen Job wird das Standard-Anschreiben erwartet. Schreib es, sofern die Ausschreibung nichts anderes sagt.
- 3
Schreib ein Motivationsschreiben nur, wenn es verlangt wird
Stipendien, Studienplatz- und Trainee-Bewerbungen sowie manche Führungspositionen verlangen eins. Eine normale Stellenanzeige braucht es meist nicht.
- 4
Wenn beides verlangt wird, teile die Arbeit auf
Das Anschreiben zeigt, dass du den Job kannst (Passung und Belege); das Motivationsschreiben zeigt, dass du ihn willst (Motivation, Werte, warum jetzt). Wiederhole keine Inhalte zwischen beiden.
- 5
Formatiere jedes seiner Art entsprechend
Schreib das Anschreiben als förmlichen einseitigen Geschäftsbrief (im Sie, mit Betreff, Anrede und Schlussgruß); schreib das Motivationsschreiben als weniger förmlichen, einseitigen persönlichen Essay.
Häufige Fragen
Sind Anschreiben und Motivationsschreiben dasselbe?
Nein. Das Anschreiben ist dein Standard-Anschreiben, das in fast jeder Bewerbung im deutschsprachigen Raum erwartet wird und belegt, dass du den Job kannst. Das Motivationsschreiben ist ein eigenständiges, meist optionales Dokument darüber, warum du ihn willst – oft nur bei Stipendien, Studienplätzen oder bestimmten Programmen gefordert.
Brauche ich für einen normalen Job beides?
Meist nicht. Für eine normale Stellenbewerbung werden das Anschreiben und dein Lebenslauf erwartet. Ein Motivationsschreiben schreibst du nur, wenn die Ausschreibung ausdrücklich eins verlangt.
Was ist die "dritte Seite"?
Das ist eine andere Bezeichnung für das Motivationsschreiben: Es kommt an dritter Stelle, nach dem Anschreiben und dem Lebenslauf. Der Name spiegelt einfach seine Position in einem vollständigen Satz Bewerbungsunterlagen wider.
In der Anzeige steht "Bewerbungsschreiben" – welches Dokument ist das?
Das ist das Anschreiben. Bewerbungsschreiben ist nur ein Synonym für das Standard-Anschreiben; es meint nicht das Motivationsschreiben.
Wann ist ein Motivationsschreiben wirklich Pflicht?
Am häufigsten bei Stipendien, Studienplatzbewerbungen, Trainee- und Graduate-Programmen sowie manchen Führungs- oder werteorientierten Positionen. Außerhalb dieser Fälle verlangt ein normaler Job selten eins.
Was ist die englische Entsprechung eines Motivationsschreibens?
Für die akademische Variante kommt ein "statement of purpose" oder "letter of motivation" am nächsten. Es gibt kein alltägliches englisches Wort, das es vom Anschreiben trennt – genau deshalb wirft englischsprachiger Rat die beiden Dokumente in einen Topf.
Gilt diese Unterscheidung auch in Österreich und der Schweiz?
Ja. Die beiden Begriffe werden im gesamten deutschsprachigen Raum gleich verwendet – es ist eine Sprachkonvention, nichts speziell Deutsches.
Quellen
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