Anschreiben schreiben: Aufbau, Tipps und ein vollständiges Muster
8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 31. Oktober 2026
Von Bogdan
Kurz gesagt
Ein gutes Anschreiben umfasst eine Seite, also etwa 250 bis 400 Wörter, und ist für genau eine Stelle geschrieben. Es beginnt mit einem Betreff („Bewerbung als …“), einer persönlichen Anrede („Sehr geehrte Frau …“) und einem Einstieg, der sofort zeigt, warum du passt – nicht mit „hiermit bewerbe ich mich“. Im Hauptteil greifst du die zwei, drei wichtigsten Anforderungen der Anzeige auf und belegst jede mit einem Erfolg aus deinem Berufsleben. Danach folgen ein, zwei Sätze dazu, warum gerade dieses Unternehmen, und zum Schluss der Wunsch nach einem Gespräch, dein frühester Eintrittstermin und „Mit freundlichen Grüßen“. Erzähl nicht deinen Lebenslauf nach: Wähle die Erfolge aus, die für diese Stelle zählen, und beschreib sie als Ergebnisse. Im deutschsprachigen Raum wird das Anschreiben fast immer erwartet; anderswo gelten andere Regeln: In Frankreich folgt die lettre de motivation dem Schema „vous, moi, nous“, in den nordischen Ländern und bei Start-ups wirkt ein kurzer, direkter Brief am besten.
Der Aufbau eines Anschreibens
- Deine Kontaktdaten: Name, Adresse oder Wohnort, Telefon und E-Mail – genau wie im Lebenslauf.
- Die Anschrift des Unternehmens mit Ansprechperson, darunter rechtsbündig Ort und Datum („Bremen, 31. Oktober 2026“ oder „Bremen, 31.10.2026“).
- Der Betreff, fett gesetzt und ohne das Wort „Betreff“ davor: „Bewerbung als … – Kennziffer …“, falls die Anzeige eine Kennziffer nennt.
- Die Anrede an eine konkrete Person: „Sehr geehrte Frau Albrecht,“ oder „Sehr geehrter Herr Yilmaz,“. Findest du keinen Namen, schreib „Sehr geehrte Damen und Herren,“. Nach dem Komma geht es im ersten Satz klein weiter.
- Der Einstieg: die Stelle und ein starker Grund, warum du passt.
- Ein oder zwei Absätze Hauptteil: die wichtigsten Anforderungen der Anzeige, jede mit einem Beleg aus deiner Erfahrung.
- Warum dieses Unternehmen: etwas Konkretes über den Arbeitgeber, kein Lob, das auf jede Firma passt.
- Der Schluss: der Wunsch nach einem Gespräch, dazu dein frühester Eintrittstermin oder deine Kündigungsfrist.
- Die Grußformel „Mit freundlichen Grüßen“ (ohne Komma), darunter deine Unterschrift und dein Name.
So schreibst du jeden Absatz
- Der Einstieg: Lass „Hiermit bewerbe ich mich …“ weg, das steht schon im Betreff. Fang mit deinem stärksten Argument für genau diese Stelle an: „Seit vier Jahren leite ich ein zwölfköpfiges Kundenservice-Team in der Logistik – diese Erfahrung möchte ich als Teamleitung Customer Operations bei Ihnen einbringen.“
- Der Hauptteil: Nimm die zwei, drei Anforderungen, die die Anzeige am stärksten betont, und bring zu jeder einen Beleg mit Ergebnis. Hier leistet das Anschreiben, was der Lebenslauf nicht kann: Es verbindet deine Erfahrung mit dem, was das Unternehmen braucht.
- Warum dieses Unternehmen: ein, zwei Sätze, die zeigen, dass du dich informiert hast. Ein Produkt, das du kennst, ein Markt, den das Unternehmen gerade erschließt, ein Wert, der zu deiner Arbeitsweise passt.
- Der Schluss: kurz und selbstbewusst. „Ich freue mich auf ein persönliches Gespräch“ wirkt stärker als „Ich würde mich sehr freuen, wenn …“. Nenne deinen frühesten Eintrittstermin oder deine Kündigungsfrist; eine Gehaltsvorstellung nur, wenn die Anzeige danach fragt.
- Sie oder du: Dieser Ratgeber duzt dich, dein Anschreiben siezt den Arbeitgeber. Nur wenn die Stellenanzeige selbst duzt, wie bei vielen Start-ups, kannst du ebenfalls duzen.
Anschreiben-Muster: ein vollständiges Beispiel
Bewerbung als Teamleiterin Vertriebsinnendienst – Kennziffer VI-2026-14
Sehr geehrte Frau Albrecht,
seit sechs Jahren betreue ich im Vertriebsinnendienst eines mittelständischen Maschinenbauers Kunden in ganz Europa, seit zwei Jahren als stellvertretende Leiterin eines achtköpfigen Teams. Diese Erfahrung möchte ich als Teamleiterin Vertriebsinnendienst bei der Wendtal Antriebstechnik GmbH in Heilbronn einbringen. Sie suchen jemanden, der auch bei wachsender Nachfrage für schnelle Angebote und zufriedene Kunden sorgt – genau daran haben mein Team und ich in den letzten zwei Jahren gearbeitet.
Als die Zahl der Kundenanfragen innerhalb eines Jahres um rund 30 Prozent stieg, habe ich die Zuständigkeiten nach Kundengruppen neu verteilt und gemeinsam mit unserer IT einheitliche Angebotsvorlagen in SAP SD eingeführt. Seitdem verlassen Standardangebote unser Haus nach zwei statt nach fünf Arbeitstagen, und die Rückfragen von Kunden zu Angeboten haben sich etwa halbiert. Außerdem habe ich vier neue Kolleginnen und Kollegen eingearbeitet; zwei von ihnen betreuen heute eigenständig unsere größten Kunden.
In Ihrer Anzeige betonen Sie die enge Abstimmung mit Außendienst und Fertigung. In meiner jetzigen Position habe ich dafür eine wöchentliche Liefertermin-Runde mit der Arbeitsvorbereitung eingeführt. So erfahren unsere Kunden früher von Verzögerungen, und die Reklamationen wegen verspäteter Lieferungen sind innerhalb eines Jahres um ein Drittel zurückgegangen.
Dass Wendtal seine Antriebe seit diesem Jahr auch in Skandinavien direkt vertreibt, reizt mich besonders: Ein neuer Markt braucht im Innendienst neue Abläufe, und genau solche Abläufe baue ich gern auf. Meine Kunden betreue ich schon heute auf Deutsch und Englisch.
Ich freue mich darauf, Ihnen in einem persönlichen Gespräch zu zeigen, wie ich Ihr Team unterstützen kann. Meine Kündigungsfrist beträgt drei Monate zum Quartalsende.
Mit freundlichen Grüßen
Julia Becker
Anschreiben im europäischen Vergleich
- Deutschland, Österreich, Schweiz: Das Anschreiben wird in fast jeder Bewerbung erwartet. Es ist ein förmlicher Geschäftsbrief von einer Seite mit Betreff, Ort und Datum und „Mit freundlichen Grüßen“ – in der Schweiz „Mit freundlichen Grüssen“, mit Doppel-s.
- Frankreich: Die lettre de motivation wird für die meisten Stellen erwartet, auf Französisch und oft nach dem Schema „vous, moi, nous“: erst das Unternehmen, dann was du mitbringst, dann was ihr gemeinsam erreichen könnt – mit einer förmlichen Schlussformel.
- Niederlande und Belgien: Der motivatiebrief ist Standard, aber kürzer und direkter – eine halbe bis eine ganze Seite.
- Großbritannien und Irland: häufig erwartet, knapp und konkret, meist drei bis vier Absätze.
- Nordische Länder und Start-ups überall: oft optional. Wenn du eins schickst, ist kurz und schlicht besser als förmlich.
- Spanien, Italien, Portugal: Eine carta de presentación, lettera di presentazione oder carta de apresentação ist üblich – höflich und auf den Punkt.
Fehler, die dich das Vorstellungsgespräch kosten
- Ein Standardbrief für jede Stelle. Personalverantwortliche merken das in der ersten Zeile.
- Den Lebenslauf in ganzen Sätzen nacherzählen, statt ihn mit dieser Stelle zu verbinden.
- Einstiege wie „Hiermit bewerbe ich mich …“ oder „Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen …“.
- Nur darüber schreiben, was du dir wünschst, statt darüber, was du mitbringst.
- Ein Konjunktiv nach dem anderen („ich würde“, „ich könnte“, „ich hätte gern“): Das klingt unsicher.
- Der falsche Firmenname oder Jobtitel, stehen geblieben aus der letzten Bewerbung.
- Mehr als eine Seite.
- Ein KI-Entwurf, unbearbeitet abgeschickt: Floskeln und Behauptungen, die du nicht belegen kannst, fallen schnell auf. Nutze KI für den ersten Entwurf und sorg dann dafür, dass jeder Satz nach dir klingt und stimmt.
Dein Anschreiben in 6 Schritten
- 1
Lies die Stellenanzeige
Markiere die zwei, drei Anforderungen, die der Arbeitgeber am stärksten betont.
- 2
Sammle deine Belege
Such dir zu jeder Anforderung einen Erfolg aus deinem Berufsleben, mit Ergebnis.
- 3
Finde eine Ansprechperson und einen Grund
Recherchiere, wer die Stelle besetzt, und eine konkrete Sache am Unternehmen, die dir wichtig ist.
- 4
Schreib den Einstieg
Die Stelle und dein stärkstes Argument, in ein oder zwei Sätzen – ohne „hiermit bewerbe ich mich“.
- 5
Schreib Hauptteil und Schluss
Ein Absatz pro Anforderung, ein Satz zum Unternehmen, dann der Wunsch nach einem Gespräch und dein Eintrittstermin.
- 6
Prüfen und abschicken
Eine Seite, die richtigen Namen, Betreff, Anrede und Grußformel, Korrektur gelesen, als PDF gespeichert.
Häufige Fragen
Wie lang sollte ein Anschreiben sein?
Eine Seite: 250 bis 400 Wörter in drei bis fünf kurzen Absätzen. In den nordischen Ländern und bei Start-ups ist kürzer oft besser.
Wen spreche ich an, wenn in der Anzeige kein Name steht?
Schau zuerst in die Anzeige, auf die Website des Unternehmens oder auf LinkedIn und Xing; oft hilft auch ein kurzer Anruf. Findest du keinen Namen, schreib „Sehr geehrte Damen und Herren,“.
Brauche ich 2026 noch ein Anschreiben?
Das hängt vom Land ab: im deutschsprachigen Raum nahezu Pflicht, in Frankreich erwartet, in den nordischen Ländern und bei Start-ups oft optional. Wenn die Anzeige nicht ausdrücklich darauf verzichtet, schick ein kurzes, zugeschnittenes Anschreiben mit. Ein Motivationsschreiben ist ein eigenes Dokument und nur nötig, wenn es verlangt wird.
Darf ich mein Anschreiben mit KI schreiben?
Ja, für den ersten Entwurf. Überarbeite ihn danach so, dass jeder Satz zur Stelle passt und auf dich zutrifft; KI-typische Floskeln erkennen Personalverantwortliche schnell.
Schicke ich das Anschreiben als PDF oder in der E-Mail?
Als PDF, zusammen mit Lebenslauf und Zeugnissen, am besten in einer einzigen Datei, sofern das Unternehmen nichts anderes vorgibt. In der E-Mail selbst reichen dann ein paar Sätze mit Verweis auf den Anhang.
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